Pressespiegel

Festliche Barockmusik trifft auf Zeitgeist

SCHLEBUSCH    Ausgesprochen festlich war diese Abendmusik am Sonntag in St. Andreas. Mit Pauke und Trompete nahm es dort Organist Hans-André Stamm auf. Die dazu passende rauschende Eröffnungsmusik hat er selbst geschrieben und dabei alles vereint, was ein großes Ereignis braucht: Fanfarenklänge, getragener Marsch und Klänge für ganz großes Kino. Martin Schröder setzte seine Trompete vorne im Altarraum an und nutzte die Echo-Effekte, die sich im Zusammenspiel mit Markus Hengesbach an den Pauken und Stamm an der Orgel ergaben.

Muntere Spielfreude

Eine eindrucksvolle Wirkung und der gelungene Beginn eines Konzerts, in dem ganz viel festliche Barockmusik zu hören war. Händel und Albinoni, Scarlatti und Couperin erklangen größtenteils in der vollen Besetzung von Orgel, Trompete und Pauke. Da schwappte ganz einfach die überwiegende, muntere Spielfreude über. Eine Suite von Jean-Joseph Mouret geriet zum barocken Tanzvergnügen royaler Größe. Und bei zwei Sätzen aus Bachkantaten legte der Trompeter die Choralmelodie in strahlendem Legato üder das figurierte Spiel der Orgel. Durchwoben war dieses Programm mit ganz neuer Musik von Stamm. Im Zentrum stand die ausladendste Komposition, eine als Auftragswerk entstandene Fantasie über "Herz Jesu, Gottes Opferbrand" für Orgel solo. Klingende Glitzereffekte und gleichmäßig motorische Bewegungen bildeten den Grund für die klar eingespielte Melodie, die später nach einem dramatischen Aufblühen des Klangs zu Ruhe geführt wird. Mitten in diese zeitgenössische Verarbeitung des Chorals schlug der Organist und Komponist den Bogen zum ganz alten Hymnus Ubi caritas.

Die Begegnung von Barock und Moderne war genau überlegt. Nach jedem vitalen und festlichen Ausbruch setzten die Musiker bewusst musikalische Ruhepunkte. Auch dazu hat Stamm selbst das Passende geschrieben. Beispielsweise seine kleine Pavane, die sich trotz interessanter rhythmischer Verschiebungen ganz ruhig bewegt. Sein "Mandala" wieder für Orgel solo, wirkt dagegen wie die musikalische Übertragung der streng symmetrisch aufgebauten Musterbilder mit minimalen Abwandlungen.

Monika Klein, Rheinische Post
Dienstag, 24. Mai 2011

Ovationen zum Orgelwochen-Ende

Hans-André Stamm und Martin Schröder begeistern in der Petrikirche

Soester-Anzeiger, Montag, 21. Februar 2011

Gleich zu Beginn gab es eine akustische Überraschung: Die Trompete von Martin Schröder klang sehnsüchtig rufend aus der Ferne, während die Orgel, gespielt von Hans-André Stamm kraftvoll und donnernd durch den Innenraum der Petrikirche schallte. Bei dieser einen Überraschung sollte es nicht bleiben. Der Konzertabend mit den beiden Musikern zum Abschluss der fünften Orgelwoche an St. Petri hatte noch eine Menge mehr zu bieten.

Vedische Klänge und Rhythmen aus Südamerika

Stamm beherrschte das Späth-Instrument virtuos. Eine Händer- oder eine Bach-Komposition klangen hervorragend. Doch nicht allein die prunkvollen und glänzenden barocken Werke waren es, die den Reiz dieses Konzertabends ausmachen, vor allem waren es seine eigenen Kompositionen. Stamm nimmt Anleihen bei der vedischen Musik aus Indien, verarbeitet Rhythmen aus Lateinamerika und spielt mit mittelalterlichen Weisen, die er auf unerwartet kühne Weise kombiniert, ineinander fließen lässt, variiert.

Manchmal war es für Zuhörer im Innenraum der Kirche schwer vorstelbar, wie Stamm der imposanten Orgel solch filigrane Töne entlocken konnte. Dann wieder ließ es ihn schaudern, wenn die Orgel grollt, während die Trompete Schröders erklang. Für Schröder war das Konzert in Soest ein echtes Heimspiel, schließlich unterrichtet er unter anderem an der Soester Musikschule. Zusammen mit Hans-André Stamm gibt er regelmäßig Konzerte in verschiedenen Kirchen.

Gut 100 Zuhörer waren in die Petrikirche gekommen, um das rund einstündige Konzert zu hören. Zum Abschluss spendeten sie dem Organisten und dem Trompeter Ovationen im Stehen. Daraufhin eilten die beiden noch einmal auf die Empore, um das Musikerlebnis mit einer Zugabe perfekt zu machen.

pat, Soester-Anzeiger
Montag, 21. Februar 2011